Incels, RedPiller und Toxische Maskulinität

Aus Deutschen Incel-Wiki
  • Cantor Brahe: Incels, RedPiller und Toxische Maskulinität, in: Toxische Männlichkeit, Nebenwidersprüche - Anarcha-Feministisches FanZine, Ausgabe 02/März 2019


Am 23. Mai 2014 ermordete der 22-jährige selbsternannte Supreme Gentleman Elliot Rodger in der kalifornischen Kleinstadt Isla Vista sechs Menschen und verletzte 13 weitere, bevor er sich selbst erschoss. Mit seiner Tat erweiterte Rodger nicht nur die unendliche Geschichte der Schusswaffen­debatte in den USA um ein weiteres Kapitel, sondern rückte auch ein bis dahin wenig bekanntes Phänomen ins Interesse der Öffentlichkeit: Incels.

Wie viele digitale Communitys ist die Incel-Bewegung eine dezentrale, internationale, hauptsächlich anglophone, hauptsächlich anonyme Interessen­gemeinschaft, die sich über persönliche Blogs und öffentliche Diskussions­foren wie →Reddit und →4chan austauscht. Und wie die meisten digitalen Communitys wird auch die Incel-Bewegung im etablierten öffentlichen Diskurs in der Regel ignoriert oder als unbedeutender Zeitvertreib abgetan, der keinen Einfluss auf das „wirkliche“ Leben habe.

Obwohl es seit Isla Vista weitere Anschläge selbst­identifizierter Incels gegeben hatte – am bekanntesten zuletzt 2018 in Toronto, als Alek Minassian in einem Facebook-Post „All hail the Supreme Gentleman Elliot Rodger!“ schrieb, kurz bevor er mit einem Van zehn Passant*innen tötete – ist über die toxische Jauchegrube der Incel-Community und ihre Verbindung zur aktuellen anti­feministischen und nationalistischen Online-Radikalisierung wenig öffentlich bekannt.

Was bedeutet überhaupt Incel?

Die Bezeichnung Incel ist eine Verschmelzung aus den englischen Wörtern involuntary (=unfreiwillig) und celibate (=sexuell enthaltsam). Erfunden wurde dieser Begriff von einer bisexuellen Frau[1] namens Alana, die in den 1990er Jahren die Webseite „Alana’s Involuntary Celibacy Project“ entwickelte. Mit diesem Forum wollte Alana allen Menschen eine Anlaufstelle und Austausch­möglichkeit geben, die ihre eigene Erfahrung von Einsamkeit teilten: aufgrund von Aussehen oder sozialer Ungeschicktheit dauerhaft ohne intime Partnerschaft zu sein. Von der ursprünglichen Inklusivität des Incel-Begriffs ist seitdem nichts mehr übrig, nach aktueller Selbst­definition können nur Männer incel sein, Frauen höchstens volcel (=freiwillig auf Sex verzichtend). Diese Einschätzung bedingt sich aus dem Geschlechter­verständnis der Incel-Community, nach dem Frauen die →Gatekeeper von Sex sind und diesen Incel-Männern vorenthalten.[2]

Ihre Einstellung gegenüber Frauen zeichnet bereits ein sehr deutliches Bild der Incel-Gemeinschaft. Zunächst einmal ist zu wissen, dass Incels nie von Frauen sprechen. Im Incel-Sprachgebrauch heißen Frauen Femoids (manchmal zu Foids abgekürzt), Sperma-Halden oder auch einfach nur Löcher. Ein weiterer beliebter Begriff ist Roastie, abgeleitet von der ebenso frauen­verachtenden wie irrsinnigen Annahme, dass Vaginen durch penetrativen Geschlechts­verkehr mit wechselnden Partnern ausleiern würden[3] und dadurch bald aussähen wie Roastbeef. Nach Incel-Logik ist weibliche Sexualität gleichermaßen erstrebenswert wie verachtenswert. Ein Incel-Blogpost ohne →Slutshaming stammt wahrscheinlich von einem Fakecel statt einem Truecel.[4]

Chads und Stacys, Alphas und Betas – die Welt aus Incel-Sicht

Incels sehen sich als sogenannte Beta-Männer, die aufgrund anatomischer oder sozialer Unzulänglichkeiten zu einem Leben ohne Sex und weibliche Zuneigung verdammt sind. Neben extremem Frauenhass spielt Selbsthass bzw. Selbstmitleid eine sehr große Rolle in der Incel-Community. Frauen existieren und haben andauernd Sex, aber nicht mit ihnen, weil ihre Knochen­struktur zu unmännlich, ihre Handgelenke zu schmal, ihre Kiefer­knochen nicht ausgeprägt genug oder ihre Ober­schenkel zu kurz sind. Sexuell begehrt, so die Incel-Logik, werden von Frauen nur maskuline Alpha-Männer. Wie jede klischee­beladene US-amerikanische High School im Film leben Incels in einer absoluten →Dichotomie von Nerds (intelligent, aber unsportlich, sozial ungeschickt und für immer Single) vs. Jocks (sportlich-gut­aussehend aber dumm, arrogant und gemein, kriegen alle Mädchen). Während Incels sich selbst in einer Mischung aus selbst­ironischer Abwertung und Außenseiter­stolz freimütig als Beta-Männer bezeichnen, werden diese angeblichen Alpha-Männer meist verächtlich als Chads tituliert.

Die nach Incel-Maßstäben attraktiven Frauen, die alle konstant mit Chads kopulieren, sind Stacys, als weniger attraktiv und sexuell aktiv angesehene Frauen werden Beckys genannt. Es ist wichtiger Bestandteil des Incel-Selbst­verständnisses, dass zwar Stacys die hassens­wertere, weil scheinbar unerreichbarere und promiskere Kategorie Frau ist, aber auch Beckys nur Chads wollen. Weshalb keine willigen Sex­partnerinnen für Incels übrig bleiben.

Diese Einschätzung leitet sich aus dem zentralen Weltbild der Incel-Community ab: alle Frauen sind hypergam, d.h. sie streben nach einem Partner über ihrer eigenen sozialen Klasse. Im Incel-Kontext bezieht sich dies vor allem auf die „Attraktivitäts­stufe“. Mit Beta-Männern geben Frauen sich, wenn überhaupt, nur vorüber­gehend oder widerwillig ab, sobald ab Mitte 20 ihre eigene Attraktivität abnimmt und damit ihr „sexueller Marktwert“ sinkt. Beta-Männer werden geheiratet, um an ihr Geld zu kommen oder aus Mangel an willigen Chads, begehrt werden sie aber nie wirklich und fallen gelassen bei der ersten sich bietenden Alpha-Alternative. „Alpha fucks, beta bucks“ ist das Credo von Incels und verwandter Communitys, die diese Variante Toxischer Männlichkeit praktizieren: Alpha-Männer kriegen Sex, während Beta-Männer zahlen müssen. Da Frauen auch gleichzeitig die alleinigen Gatekeeper von Sex und Partnerschaft sind (und generell die Gesellschaft dominieren, dazu später mehr), gibt es nur zwei Möglichkeiten für truecel Beta-Männer.

Entweder akzeptieren, dass sie für immer allein sein werden, da sie von Frauen und Chads um das betrogen werden, was ihnen ihrer Ansicht nach als hetero­sexuelle Männer rechtmäßig zustehen sollte. Da Incels den Grund für ihre wirkliche oder gefühlte Einsamkeit in der Regel rein in ihrer „minder­wertigen“ Anatomie sehen, anstatt in ihrer Tendenz, Frauen als verstandslose, bösartige Sexobjekte zu sehen, ist dies für sie auch ein Zustand, der natur­gegeben ist und sich nicht ändern lässt. Es gibt für sie also keine Hoffnung auf ein erfülltes Leben aka willig gegebenen Sex.[5] In Incel-Kreisen wird diese „Einsicht“ bezeichnet als „die schwarze Pille nehmen“. Die Incel-Community gedenkt regelmäßig den Fallencel, also den Männern, die sich aufgrund dieser deprimierenden Aussicht, die in der Echokammer der Incel-Bewegung pausenlos gepredigt wird, das Leben nehmen.

Die andere Möglichkeit ist das, was Elliot Rodger und seine spirituellen Vor- und Nachfolger[6][7] als Aufstand der Beta-Männer bezeichnen: die gewaltsame Rache der Incels an allen Chads und Stacys, am besten einhergehend mit einer kompletten Umwälzung der Gesellschaft, so dass Frauen wieder an ihren rechtmäßigen Platz gezwungen werden und die Unterdrückung der Beta-Männer endet. Rodger beispielsweise wünschte sich laut seinem 141 Seiten langen Manifest für diese post-revolutionäre Utopie, dass alle Frauen in Konzentrations­lager gesperrt und die Mehrheit langsam zu Tode gehungert werden würde, während er selbst von einem Turm aus zusehen würde. Der Rest der weiblichen Bevölkerung sollte in geheimen Laboren nach rationalen Vorgaben zwangs­befruchtet werden, um das Fort­bestehen der menschlichen Rasse zusichern.[8] Andere Incels äußern schon mal den Vorschlag, dass allen weiblichen Babys direkt nach ihrer Geburt die Vagina zugenäht werden sollte, damit sie sich nicht in Roasties verwandeln können, sondern später noch angenehme Sex­partnerinnen für ihren Ehemann sein können. Allgegenwärtig ist die Ansicht, dass Frauen zu irrational und unter­entwickelt seien, als dass mann ihnen die Entscheidung überlassen dürfte, mit wem sie sich „paaren“ und „fortpflanzen“ sollten.

Incel-Blogs äußern sich durch einen so virulenten und offen gewalt­verherrlichenden Hass, dass das Incel-Forum auf der öffentlichen Diskussions­seite Reddit.com bereits zweimal gesperrt worden ist und in seiner dritten Reinkarnation aktuell bereits wieder unter Quarantäne steht. Jede Person, die sich schon einmal näher mit Reddit befasst hat, kann sich ausmalen, wie extrem ein Subreddit werden muss, bevor er verboten wird.

Incels als Teil der Manosphere

Die Incel-Bewegung erscheint wie eine sehr extreme Nischen­kultur, fügt sich jedoch nahtlos in das ein, was sich im englischen Sprach­gebrauch als Manosphere entwickelt hat. Ein Netzwerk aus anti­feministischen Männer­rechts­gruppierungen[9], der Pick Up Artist-Szene (PUA), Incels, und Men Going Their Own Way (MGTOW).

Vereint sind diese Gruppierungen durch ihren dezidiert anti­feministischen und oft völkisch-nationalistischen Standpunkt. Oder, um es mit der deutschen Webseite WikiMANNia.org auszudrücken: feminismusfrei und antithetisch zur feministischen Opfer- und Hass­ideologie, damit sich Jungen und Männer emanzipieren können von der Femokratie.[10] „Nieder mit dem Feminismus, nieder mit dem Genderismus, nieder mit der Invasion[11], nieder mit der Schweigespirale.“ Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels feiert WikiMANNIA übrigens stolz „10 Jahre feminismusfreie Information!“[12]

Man wolle, so die gemäßigteren Seiten der Manosphere Männer dabei unterstützen, sich selbstbewusst, naturgemäß und unbeeinflusst zu entwickeln. Daher habe man nichts gegen Frauen, sondern lehne nur die Ideologie des Feminismus ab. Frauen sind auch durchaus willkommen an den Rändern einiger dieser Kreise, solange sie wissen, wo ihr Platz ist.[13] Wie der berühmte schwarze beste Freund eines jeden rassistischen Menschen werden Anti­feministinnen besonders gerne als Gesicht der „Feminismuskritik“ der Öffentlichkeit präsentiert. So wurde es immens beworben, als 2017 Laci Green, bekannte Youtuberin und bis dahin Star der sexpositiven-feministischen Szene, verkündete, sie habe „die rote Pille“ genommen und ab da in der Öffentlichkeit freundschaftlich mit Gamergate-Initiatoren und →Alt-Right-Bloggern verkehrte.

Die rote Pille, das ist das zentrale Konzept der Manosphere. Die Metapher basiert auf den Matrix-Filmen, in denen Protagonist Neo vor die Wahl gestellt wird, eine blaue oder eine rote Pille zu nehmen.
Die blaue Pille würde bedeuten, vor der Wahrheit die Augen zu schließen und in der heilen Scheinwelt der Computer­simulation weiterzuleben, die rote Pille bedeutet, die Illusion als solche zu erkennen und von da an in der harten aber notwendigen Wirklichkeit zu leben.[14]

Die Illusion, gegen die die Manosphere ihre rote Pille genommen haben will, ist die gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen. →Sexismus sei real, existiere aber nur gegen Männer. Männer, so die RedPiller-Philosophie, sind Gefangene in einer feministischen Matrix, versklavt, finanziell und emotional ausgebeutet und so indoktriniert, dass sie davon nicht einmal etwas mitbekämen. „Normies“ nennen RedPiller verächtlich die Menschen, die diese fundamentale Wahrheit nicht erkennen würden. Weil sie nicht intelligent genug dafür seien[15], oder weil ihre Gehirnwäsche durch die feministische Ideologie zu tiefsitzend sei.

Frauen, allen voran Feministinnen, bewahren diese weibliche Hegemonie, indem sie einerseits die Gatekeeper von Sexualität und damit Fortpflanzung seien, andererseits, indem sie alle Männer als Täter und alle Frauen als Opfer von Männlichkeit positionieren würden, um sich dadurch einen gesellschaftlichen Freibrief zu sichern und Männer von ihrer natürlichen, dominanten Männlichkeit zu entfremden.

Wie nun mit dieser tieferen Wirklichkeit – Frauen und Männer sind von Natur aus völlig verschieden und Männer werden von Frauen systematisch unterdrückt – umgegangen wird, daran spaltet sich die Manosphere nun in ihre verschiedenen Zweige auf. Men Going Their Own Way (MGTOW) ist beispielsweise eine separatistische Community von Männern, die Frauen in ihrem Wesen und ihren Daseins­zielen für so unvereinbar mit ihrer eigenen Männlichkeit halten, dass sie sich jeder emotionalen, sozialen oder hegemonialen Verstrickung mit Frauen verweigern wollen, oder, wie sie es selbst in ihrem Namen ausdrücken: selbstbestimmt als Männer ihren eigenen Weg gehen.

Pick Up Artists (PUA), zu Deutsch Verführungs­künstler, sind wiederum Männer, die sich sexuelle Eroberungen und Zugang zu Frauen zum Ziel setzen. Dazu setzen sie auf mal mehr, mal weniger ausgeklügelte Systeme basierend auf Neuro-Linguistischem Programmieren, →Evolutions­psychologie, Game-Theorie und Manager­training.[16] Den Wert eines Mannes (Alpha, Beta oder sogar noch geringer) misst die PUA-Szene nach der Anzahl und Attraktivität seiner eroberten Sexpartnerinnen.

Während Incels die Welt in Beta- und Alpha-Männer unterteilen und keinen Wechsel zwischen diesen Kategorien für möglich halten, behaupten PUA-Coachs, dass jedem Mann weibliche Sexualität offensteht, wenn er sich nur an das richtige Set allgemein­gültiger und zeitloser Regeln für soziale Interaktion hält. Ihre jeweilige, garantiert unfehlbare Manipulations­taktik zur Erlangung von Geschlechts­verkehr bieten sie für teures Geld in Seminaren, Hand­büchern und Online-Kursen an.

Hier zeigt sich auch, wie eng die verschiedenen Strömungen der Manosphere miteinander verflochten sein können. Rodger hatte versucht, über PUA-Methoden an Frauen zu kommen und war dabei nach eigener Aussage erfolglos geblieben. Also wechselte er zur deterministischeren Incel-Philosophie und erweiterte seinen Hass auf Frauen um Hass auf Chads und PUA-Coachs, die Männern wie ihm falsche Hoffnungen machen und um ihr Geld betrügen würden.[17]

Die Performanz nicht-hegemonialer Toxischer Männlichkeit in der Incel-Community

Es fällt leicht, Bewegungen wie Incels und RedPiller als Ausläufer konservativer-→patriarchaler Gesellschafts­strömungen zu bezeichnen, die sich in das Medium Internet übertragen haben. Der übliche Stammtisch­sexismus alter, weißer Männer, wie mensch ihn schon ein ganzes Leben lang kennt. Das Internet, so die Erklärung, ist voller Arschlöcher, weil das Leben voller Arschlöcher ist.

Bei genauerer Betrachtung spricht jedoch viel dafür, dass es sich hierbei um eine neu entstandene, eigenständige Form Toxischer Männlichkeit handelt. Die Ideal­gesellschaft, die Incels propagieren, ist durchaus patriarchal, aber es ist ein Patriarchat der →marginalisierten, der Beta-Männer. Für Incels sind Alpha-Männer (fast) genauso der Feind wie Frauen. Sankt Elliot, der jungfräuliche Märtyrer von 4chan und Reddit[18], tötete bewusst Frauen UND Männer. Die Männlichkeit, die von der Incel-Community produziert wird, ist eine nicht-hegemoniale – der alpha-patriarchale Status Quo ist ihnen ebenso verhasst, wie die von Antifeministen befürchtete Femokratie.

Insgesamt findet sich in der Manosphere eine überraschend heterogene Einschätzung von erstrebens­werter Männlichkeit. MGTOW sehen es als Ideal von Männlichkeit, sich völlig von Frauen zu emanzipieren, PUAs messen ihre Männlichkeit in Flirt­erfolgen, Incels streben nach sexueller Inbesitz­nahme von Frauen, definieren ihre ganze Persönlichkeit jedoch gleichzeitig durch den Mangel daran, christlich-konservative Abtreibungs­gegner treffen auf „einerseits bin ich pro Abtreibungs­recht, weil dadurch Babys sterben, andererseits bekommen Frauen dadurch eine Wahl“-4chan Trolle.

Letztlich scheint es nur zwei verbindende Eigenschaften in der Manosphere zu geben:

  1. Wahrgenommene Marginalisierung. Die Männer der Manosphere sehen sich um den ihnen zustehenden Platz an der Spitze der Gesellschaft gebracht. Sie positionieren sich als drangsalierte Opfer der Feministinnen, der Political-Correctness-Kultur, der Alpha-Männlichkeit, der Social-Justice Warriors, der Androgynisierung von Männlichkeit, der Internetzensur, …
  2. Misogynie. Weil Frauen Sex wollen. Weil Frauen keinen Sex wollen. Weil Frauen die Macht ergreifen wollen. Weil Frauen die Macht schon lange haben. Weil Frauen dumme Tiere sind. Weil Frauen hinterlistig sind. Weil Frauen den Wert von Männern bestimmen. Weil Frauen Männlichkeit abschaffen wollen. Weil Frauen dumpfe Maskulinität wollen. Weil Frauen Männer verweiblichen wollen. Weil Frauen.
Zusammengefasst lässt sich das Dogma dieser digitalen Art Toxischer Männlichkeit folgendermaßen ausdrücken: Alles ist schlecht und Frauen sind daran schuld.
– Cantor Brahe[19]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Dieser Text verzichtet auf die stilistische Konvention der übrigen Ausgabe bezüglich der Schreibweise von Geschlechter­kategorien, da ich hier die Begrifflichkeiten und Weltsicht der Incel-Kultur beschreibe. Aus diesem Grund nehme ich im Text auch nur Bezug auf →binäre Geschlechter.
  2. Weshalb es eine beliebte Forderung von Incels ist, dass gesetzlich allen Männern eine sexuell hörige Freundin zur Verfügung gestellt werden müsste.
  3. Nicht aber durch mehrmaligen Verkehr mit ein- und demselben Partner, aus Gründen.
  4. Hand hoch, wer inzwischen ein Leitmotiv in der Schöpfung von Incel-Begrifflichkeiten gefunden hat.
  5. Und nein, das Problem der Incels lässt sich nicht dadurch lösen, dass ihnen Sex­arbeiterinnen zur Verfügung gestellt werden, wie ich es schon als Lösungs­vorschlag gesehen habe. Zum einen sind auch Incels, die Sex mit Sex­arbeiterinnen haben, immer noch Incels (wenn jetzt auch der Unter­kategorie Escortcel), weil sie ja für Sex bezahlen müssen, obwohl er ihnen eigentlich von Natur aus rechtmäßig zustünde. Zum andern sollte jeder Mensch, der vorschlägt, gewalt­verherrlichende, →misogyne Männer zu besänftigen und von der restlichen weiblichen Bevölkerung abzulenken, indem mensch ihnen Sex­arbeiterinnnen als Kanonen­futter vorwirft, sich lange und eindringlich mit der eigenen Einstellung gegenüber der Menschenwürde von Sex­arbeiter*innen beschäftigen.
  6. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass Rodgers Amoklauf, so mensch ihn denn als solchen bezeichnen kann, der erste durch Frauenhass ausgelöste öffentliche Massenmord war. Nur der erste, durch den gerade die Incel-Bewegung mediale Aufmerksamkeit erhalten hat. Mensch denke beispielsweise an das berühmte Massaker an der poly­technischen Hochschule Montréal in 1989, als Marc Lépine 14 Frauen tötete, um den Feminismus zu bekämpfen. Ebenso wenig handelt es sich um ein Phänomen, das nur auf den nord­amerikanischen Kontinent beschränkt ist. Die drei Opfer des Messer­stechers von Nürnberg im Dezember 2018 waren wohl nicht zufällig alles Frauen.
  7. Anmerkung: Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass regelmäßig von „Einzelfall“ die Rede ist, wenn das Opfer von einem Zuwanderer gemessert wurde.
  8. Der Vollständigkeit und Nachprüfbarkeit wegen füge ich einen Link zu Rodgers „A Twisted Mind. The Story of Elliot Rodger“ als PDF den Quellen bei. Obwohl es sich um einen sehr aufschluss­reichen Text handelt, rate ich jedem Menschen, der sensibel gegenüber Misogynie, Rassismus und Gewalt ist, die Lektüre eher ab.
  9. Es gibt auch nicht-frauen­feindliche Männer­rechts­bewegungen. Diese werden hier nicht gemeint.
  10. Neben „Staatsfeminismus“ ein beliebtes Schlagwort, um auszudrücken, dass die Gesellschaft von einer feministischen Kabale beherrscht wird.
  11. Geflüchtete. Die Invasion sind Geflüchtete
  12. Alle direkten und indirekten Zitate aus dem Missionstext von WikiMANNia von http://de.wikimannia.org/Hauptseite (letzter Zugriff am 03.03.2019).
  13. Vorzugsweise Kinder, Küche und das Bett ihres Ehemanns. Denn in der „nicht-korrumpierten“ Gesellschaft sollten Männer „echte Männer“ und Frauen „echte Frauen“ sein. Die von der Manosphere propagierten Geschlechter­rollen­ideale ähneln auffällig denen völkisch-nationalistischer Kreise.
  14. Damit ist die rote Pille der zweite Begriff von Incels und Konsorten, den ursprünglich →queere Frauen erfunden haben. Das ist die Art von Ironie, die man in RedPill- und Incel-Foren nur ansprechen sollte, wenn man Wert auf besonders farbige Todes­drohungen legt.
  15. Es ist fester Bestandteil, des Redpill- und damit auch des Incel-Selbst­verständnisses, dass ihre eigene Seite per definitionem die der Rationalität und des überlegenen Intellekts ist. Dadurch lässt sich natürlich jede Gegenstimme kategorisch als irrational oder schlicht hysterisch entkräftigen, ohne tatsächlich auf ein Argument eingehen zu müssen.
  16. Populäre PUA-Taktiken sind z.B. „negging“: das Selbstbewusstsein einer Frau durch getarnte Beleidigungen so lange untergraben, bis sie dankbar ist, dass du dich überhaupt noch mit ihr abgibst; „shit-testing“: gezielte, sich steigernde Eskalationen in Gesprächen oder sozialen Situationen, um die Grenzen einer Frau auszutesten und auszuhöhlen; oder „drück ihr Gesicht plötzlich in deinen Schritt und zwing sie so zum Oralverkehr“.
  17. Es scheint wie ein Treppenwitz des Internet­zeitalters, dass die Webseite, die sich am lautstärksten gegendie PUA-Szene und ihre Geschäfts­praktiken äußerte – PUAhate.com – ein populärer Austauschort für Rodger und anderer Incels und Red-Piller war. Bis die Seite durch die Verbindung zu Rodger nach seinem Amoklauf zu sehr ins Rampenlicht medialer Aufmerksamkeit geriet und geschlossen wurde. Um bald darauf wieder aufzuerstehen unter dem neuen, mensch mag sagen, ehrlicheren Namen Sluthate.com. (Zum Zeitpunkt der Verfassung leitet diese Domain mittlerweile automatisch auf das Forum redpilltalk.com um. Zielgruppe und Fokus bleiben unverändert.)
  18. Siehe z.B. „St. Elliot is watching over me in heaven, and he protects me, and he loves me. He always does things to make my painful virgin life better in little ways. […] St. Elliot is watching and protecting me and all other supreme gentleman[sic!]. St. Elliot loves us all and he will bless us if we praise him and thank him for his generosity and sacrifice.“ https://www.reddit.com/r/copypasta/comments/5ssrsh/elliot_rodgers_is_a_saint/ (letzter Zugriff am 03.02.2019).
  19. Cantor Brahe: Incels, RedPiller und Toxische Maskulinität, in: Toxische Männlichkeit, Nebenwidersprüche - Anarcha-Feministisches FanZine, Ausgabe 02/März 2019, Seite 22-31

Siehe auch[Bearbeiten]