Incel

Aus Deutschen Incel-Wiki
Was Wikipedia denkt, das Incels wollen - gegen
das, was Incels tatsächlich wollen.
„Incel loser!!“

Incel ist ein englisches Kofferwort aus Unfreiwillige („involuntary“) und Enthaltsame („celibacy“). Die in ihrer überwiegenden Mehrheit männlichen Betroffenen bezeichnen sich mit dem Begriff Incel als Kurzform von Involuntary Celibate (unfreiwillig zölibatär lebender Mensch).[1]

Im Jargon dieser Gruppen existieren noch eine weitere Differenzierungen, unter anderem in Volcel (freiwillig Zölibatäre), Nearcel (unfreiwillig meist Zölibatäre), Truecel (Personen völlig ohne Intimitäts­erfahrung) usw.[2]

Incel ist ein soziologischer Begriff, der für einen Lebensumstand steht. Inceltum wurde erstmals in der Donnelly-Studie als soziologisches Phänomen beschrieben. Diese Studie, die seither von der Wissenschaft vielfach als Definitions­quelle zitiert wird, definiert als Incels alle Erwachsenen, die sechs Monate oder länger keinen Sexual­partner finden, ohne sich dafür zu entscheiden. In der Incelosphäre selbst herrscht jedoch Uneinigkeit über die genaue Definition.

Begriffsbestimmung[Bearbeiten]

Incel ist keine soziale Bewegung oder eine formelle Gemeinschaft, sondern ein geschlechts­neutraler Lebensumstand und eine Bezeichnung für eine spezifische und primär im virtuellen Raum existierende und über Foren kommunizierende Subkultur. Folglich bilden Incels eine politisch, rassisch, religiös und sozio­ökonomisch sehr heterogene Bevölkerungs­gruppe. Es gibt keine Philosophien (wie etwa die Schwarze Pille), politische Parteien oder Subkulturen, die alle Incels repräsentieren.

Das englischsprachige IncelWiki spricht davon, dass es unter den amerikanischen Millennials 15-30 % Incels gibt, ungefähr 51 % keinen festen Partner haben, ungefähr 30 % sind oft oder dauerhaft einsam und etwa 22 % keine Freunde haben.[3]

Das Nachrichtenportal Watson versucht, die Bedeutungs­verschiebung des Begriffs Incel in Richtung „Frauen hassender, in Rechtsextremismus abdriftender gefährlicher heterosexueller Mann“ zu erkären:

Inceltum, der Zustand der unfreiwilligen Beziehungslosigkeit und sexuellen Abstinenz, ist derart negativ besetzt, dass sich kaum jemand, der ansonsten über ein intaktes soziales Netz verfügt, damit freiwillig identifizieren würde.
„Diese Leute in den Foren haben einen unglaublichen Stress mit ihrer Sexualität. Sie glauben, die ganze Welt feiere eine riesige Sexorgie und sie seien die einzigen, die nicht eingeladen wurden.“
Dabei gab es schon immer Menschen, die keinen Sex hatten. Aber muss man sich überhaupt als Incel bezeichnen, um einer zu sein? Oder reicht es, keinen Sex zu haben und in keiner Beziehung zu sein? Dann wäre jede und jeder von uns schon einmal Incel gewesen oder wird irgendwann einmal ein Incel sein.

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland werden die Incels als Absolute Beginners, „Absolute Anfänger“, bezeichnet.

Absolute Beginners (kurz: ABs) ist eine Bezeichnung für erwachsene Männer und Frauen ohne Beziehungs­erfahrung. Beziehung ist hierbei als eine Liebes­beziehung zu verstehen, die sich durch ein enges zwischen­menschliches Vertrauens­verhältnis, körperliche Zärtlichkeit und sexuelle Aktivität auszeichnet. Die betroffenen Erwachsenen verfügen im Unterschied zu ihren Alters­genossen über keine, nur sehr bruch­stück­hafte oder lange zurück­liegende Erfahrungen mit Liebes­beziehungen (sei es zum eigenen oder zum anderen Geschlecht). Der Begriff Absolute Beginners wird seit Ende der 1990er Jahre im deutsch­sprachigen Raum von den Betroffenen als Selbst­bezeichnung innerhalb der Online-Community verwendet. Teilweise wird er auch von in den Medien und den Sozialwissenschaften]] verwendet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robin Sprenger: Männliche Absolute Beginner. Ein kommunikationswissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung von Partnerlosigkeit., Springer VS, 2014, ISBN 3-658-05923-0
  • Maja Roedenbeck: Und wer küsst mich? Absolute Beginners - Wenn die Liebe auf sich warten lässt., Ch. Links Verlag, 2012, ISBN 3-86153-688-9
  • Arne Hoffmann: Unberührt. Menschen ohne Beziehungserfahrung - Wege zu erfüllter Liebe und Sexualität., Kreuz-Verlag 2006, ISBN 3-7831-2705-X
  • Olaf Wickenhöfer: Unfreiwillig Single: Eine Studie zur Sozialisationsgeschichte und kulturellen Alltagspraxis, Tectum Verlag, Marburg 2004, ISBN 3-8288-8693-0

Artikel[Bearbeiten]

  • Leonie Gubela: Jungfrau mit Ende 30: Wenn der Sex auf sich warten lässt, Süddeutsche Zeitung am 4. August 2017
    (Anreißer: Sie haben noch nie mit jemandem geschlafen. Je länger es nicht passiert, desto unwahrscheinlicher wird es. Zwei „Absolute Beginner“ erzählen.)
  • Manuel Bogner: Noch nie Sex und 33 Jahre alt - der harte Weg zur ersten Partnerin, ze.tt am 23. März 2016
    (Anreißer: Torsten Brenner wünscht sich nichts sehnlicher als eine Freundin, mit der er Sex haben kann - doch er findet einfach keine. Er ist ein so genannter Absoluter Beginner. Warum ist das so? Und was kann er dagegen tun?)
  • Als Erwachsener unerfahren, Frankfurter Rundschau 25. Oktober 2012
    (Anreißer: Ein Leben ohne Zärtlichkeit - unvorstellbar für die meisten Erwachsenen. Für einige wenige, die noch nie eine Beziehung hatten, ist das Realität. Die Hürde, jemanden kennenzulernen, ist für sie besonders hoch.)
  • Aliki Nassoufis: Leben ohne Sex: Selbsthilfe für erwachsene Jungfrauen, Spiegel Online am 10. August 2008
    (Anreißer: Ein Leben völlig ohne Sex: eigentlich unvorstellbar. Für manche Erwachsene ist die Enthaltsamkeit jedoch Realität - ungewollt. Sie haben einfach nie den Anschluss gefunden. Und je älter man wird, desto schwerer die Überwindung. Die „Absolute Beginners“ wollen Abhilfe schaffen.)
  • Florentine Fritzen: Beziehungen: Zuletzt geküsst im Kindergarten, F.A.Z. am 4. Februar 2007
    (Anreißer: Die Wissenschaft spricht von einem „seltenen, aber interessanten Phänomen“: Erwachsene, die noch nie eine Beziehung hatten. Die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Betroffenen selbst.)

Herkunft des Begriffs[Bearbeiten]

In der deutschen Sprache gab es früher keinen gängigen, kurzen und prägnanten Begriff für Menschen ohne sexuelle Beziehungs­erfahrung. Verwandte Begriffe waren z. B. „Jungfrau“, „alte Jungfer“ und reiner „Jüngling“ bzw. „Hagestolz“, letztere drei sind allerdings veraltet.

Der Begriff Absolute Beginners ist 1998 entstanden, als das erste Internet­forum zu diesem Thema eingerichtet wurde.[6] Erstmals tauschten sich in Deutschland Betroffene öffentlich über die Gründe für ihre Beziehungs­unerfahrenheit aus und suchten nach Auswegen aus ihrem Zustand.

Der Begriff Absolute Beginners stammt vom Begründer des ersten Internet­forums zu diesem Thema. Der Begriff wurde dem gleichnamigen Song von David Bowie[7] entlehnt.

Männerabwertung[Bearbeiten]

Ursprünglich war Incel ein rein neutraler deskriptiver Begriff, siehe Donnelly Study (2001), dieser Begriff wird jedoch immer häufiger dazu genutzt, um Männer ohne Beziehungserfahrung als Frauen­hasser und Gewalt­täter zu denunzieren.

Wikipedia/WikiPrawda
„Das Wort beschreibt in der öffentlichen Debatte Angehörige von Online-Communitys, die einer bestimmten frauen­feindlichen, gewalt­verherrlichenden Ideologie anhängen.“[1]
RationalWiki
„Self-proclaimed incels are typically resentful and misogynistic.“[8]
Bento
„Der Name ist ein Kofferwort aus ‚Involuntary‘ (unfreiwillige) und ‚celibates‘ (Enthaltsame) und soll damit als Selbstbezeichnung für Männer dienen, die ‚unfreiwillig keine Geschlechts­partnerin‘ haben – und dafür den Frauen die Schuld geben.“[9]
Spiegel Online
„Amok: Männlich, ledig, lebensgefährlich“[10]
Rolf Pohl
„Incels sind verhinderte Machos. Sie trauern dem Ideal der Vorherrschaft des Mannes nach und wollen es wieder­herstellen. Notfalls eben auch mit Gewalt. [...] Auch im Falle der Incels wird deshalb der Feind entmenschlicht. Das beginnt schon bei der Sprache: Als ‚Femoide‘ oder ‚Feminazi‘ werden Frauen in den einschlägigen Foren beschimpft. In der Geschichte haben wir oft genug erlebt, was passiert, wenn ganze Bevölkerungs­gruppen zu niederen Tieren gemacht werden. Davon geht eine große Gefahr aus.“[11]
Judith Görs
„Die so genannten ‚Involuntary Celibates‘, unfreiwillig Enthaltsamen, hassen Frauen. Sie fühlen sich als Opfer, weil ihnen weibliche Liebe, Intimität und Sex aus ihrer Sicht vorenthalten werden. Natürlich aus purer Bosheit der Frauen.“[11]
Tove Tovesson/Missy Magazine
„Incel steht für ‚involuntarily celibate‘, also unfreiwillig enthaltsam, und ist eine Selbst­bezeichnung von (vermutlich überwiegend) Hetero-Männern, die unfreiwillig keinen Sex haben und das für die größte Ungerechtigkeit unter der Sonne halten. Ihre evidente Unfickbarkeit begründen sie nicht in sich selbst, sondern in der sexuellen Freiheit der Frauen, die jetzt nicht mehr per Ehe-Kuhhandel standesgemäß und gerecht auch an Würstchen wie sie verteilt werden, sondern unverschämterweise nur noch Männer vögeln, die kein kompletter Abschaum sind (bzw. in der Incel-Logik eine 8-10 auf der Fickbarkeitsskala).“[12]
Anetta Kahanes Stasi-Seiten
„Innerhalb der digitalen antifeministischen Blase der 'Manosphere' findet man auch 'Incel'. Männer, die unfreiwillig enthaltsam leben. Schuld an ihrem Elend seien Frauen, weil sie die Männer unterdrücken und den 'Incellern' Sex verweigern. Diese frauen­hassende Ideologie kann gefährliche Auswirkungen auf Frauen haben. Auch der Amokfahrer aus Toronto bezeichnete sich selber als 'Incel' und tötete gezielt Frauen.“[13]

Und, wie auf Bestellung:

Frauenseiten Bremen
„Kennt ihr das, wenn jemand eure Gefühle nicht erwidert? Es gibt eine Online-Gemeinschaft von Männern, die anscheinend durchgängig unter Ablehnung leiden. Sie nennen sich incels. Das ist eine Wort­zusammen­setzung aus den englischen Wörtern involuntary (unfreiwillig) und celebacy [sic] (Zölibat). Diese incels sind Männer, die noch nie oder wenig sexuellen Kontakt zu Frauen hatten, obwohl sie sich diesen wünschen. Sie leben also sozusagen unfreiwillig zölibatär. Für ihren Mangel an romantischen und sexuellen Beziehungen machen sie jedoch einzig und allein die Frauen verantwortlich. Und zwar Frauen im Allgemeinen.“[14]
Veronika Kracher
„Incels sind die wohl Toxischste aller männer­bündischen Gruppen.“[15]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Wikipedia: Wikipedia: Incel, abgerufen am 9. Mai 2019
  2. RationalWiki: Manosphere glossary
  3. Diese Zahlen dürften dafür sprechen, dass das Phänomen Incel nicht mehr ist, als ein Symptom der Vereinzelung und der damit einhergehenden Einsamkeit und Kontakt­armut in modernen Gesellschaften. Das Narrativ, das Incel ein Ausdruck toxischer Männlichkeit sei, dürfte der Phantasie the Feminist Mind.svg feministischer Gehirne entsprungen sein.
  4. William Stern: Die neue Bedrohung - wer sind die Incels und woher kommen sie?, Watson am 11. Oktober 2019
  5. 5,0 5,1 Wikipedia: Absolute Beginners
  6. Maja Roedenbeck: Und wer küsst mich? Absolute Beginners – Wenn die Liebe auf sich warten lässt, S. 41
  7. Youtube-link-icon.png Absolute BeginnersDavid Bowie (8. April 1986) (Länge: 7:52 Min.) - Das Lied „Absolute Beginners“ erschien am 3. März 1986 und war der Titelsong des gleichnamigen Films von 1986 (selbst eine Adaption des Buches „Absolute Beginners“).
  8. RationalWiki: Incel, abgerufen am 9. Mai 2019
  9. Sebastian Maas: Gerechtigkeit: Reddit sperrt Frauenhasser-Gruppe mit 40.000-Mitgliedern, Bento am 9. November 2017
  10. Takis Würger: Amok: Männlich, ledig, lebensgefährlich, Spiegel Online am 18. August 2014 (Anreißer: Der Mann, der im Mai in Santa Barbara sechs Menschen tötete, gehörte einer obskuren Gemeinde an: So genannte Incels leben unfreiwillig als Single, und manche entwickeln einen Hass auf Frauen, der tödlich enden kann. Wer sind diese Männer?)
  11. 11,0 11,1 Männer und ihr blanker Hass: Der Krieg der Incels gegen die Frauen, n-tv am 27. Mai 2018
  12. Tove Tovesson: Die Leiden des jungen Incels, Missy-Magazine am 5. Juni 2018 („Involuntary celibate“ – darunter leiden die Incels. Wie weit ihr Frauenhass geht, zeigt sich online.)
  13. Kira Ayyadi: Incel: Der tödliche Wahn der Frauenhasser, Belltower am 11. Mai 2018
  14. Incels: Frauenhass im Internet, Frauenseiten Bremen am 9. Mai 2019
  15. Youtube-link-icon.png Veronika Kracher über Incels – Zur Sprache und Ideologie eines Online-KultsVeronika Kracher (27. September 2019) (Länge: 88:13 Min.)

See also[Bearbeiten]


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