Girls, I will destroy you - Frauenhass im Internet

Aus Deutschen Incel-Wiki

Textskript[Bearbeiten]

„Girls, I will destroy you!“ – Frauenhass im Internet

Ein Podcast von Carina Huppertz.

(0:10 Min.)

FS: Wir konnten in den letzten Jahren feststellen, dass eine „nicht geringe“ Zahl von Männern sich genau in solchen antifeministischen Foren radikalisiert haben.
AH: Rechtsextremismus wird häufig mit Rassismus und Antisemitismus verknüpft. Also vollkommen „zu recht“. Aber das Geschlechter­verhältnis wird häufig einfach ignoriert.
FS: Mit diesen „klassischen“ Feindbildern, ja, der Feminismus ist „an allem Schuld“, der Feminismus entmännlicht uns Männer…
AH: Und ich finde es wichtig zu verstehen – also auch politisch – das sind hier nicht nur irgendwie ein paar wütende misogyne Spinner im Netz. Es handelt sich hier um eine Art Todeskultur mit einem ganz klaren Feindbild und es geht um Rache.

(0:48 Min.)

(Einblendung von amerikanischen Polizeifunk: „gun shot […] shot fire, shot fire“)
F: Im Mai 2014 erschießt ein Mann in Alta Vista, Kalifornien, sechs Menschen und verletzt weitere dreizehn.
(Einblendung von Polizeifunk: „unverständlich“)

(1:02 Min.)

M: Der Student soll aus Frauenhass gehandelt haben.
F: Als die Polizei den 22-Jährigen festnehmen wollte, tötete sich der Schütze selbst.
M: Sein Ziel war das Gebäude einer Studentinnen­verbindung nahe der Universität von Santa Barbara. Die Tat hatte er in einem Video angekündigt.
F: In diesem Video gibt der 22-jährige Frauen die Schuld an seinem unerfüllten Leben, weil er noch nie eine Freundin hatte, oder Sex. „If I can’t have you Girls, I will destroy you!“, kündigt er an. Also, wenn ich euch nicht haben kann, Mädchen, werde ich euch zerstören. Mittlerweile ist dieser Mann der Held einer Internet-Community, der so genannten Incels. Diese Männer verbindet ihr Hass auf Frauen, weil sie sich von ihnen abgelehnt fühlen. Und sie sind nur ein Beispiel für den Frauenhass und den Antifeminismus, der sich im Internet sammelt, in Blogs, in Foren, in YouTube-Videos. Aus dem sich ganze Bewegungen gebildet haben.
Um diesen Frauenhass soll es in diesem Podcast gehen. Wo kommt er her? Wer sind die Menschen, die sich im Internet vernetzen? Und die vor allen ihr Hass auf Frauen verbindet? Und was können wir gegen den Frauenhass im Netz tun?

(2:15 Min.)

CH: Eigentlich geht es in dieser Podcast-Reihe um rechtsextreme Rückzugsräume. Warum sind also frauenfeindliche Gruppen relevant, wenn wir über Rechtsextremismus reden?
FS: Wir konnten in den letzten Jahren feststellen, soziologisch, dass einige…, oder… eine „nicht geringe“ Zahl von Männern, die in rechtsextremen Kreisen verkehren, sich genau in solchen antifeministischen Foren radikalisiert haben.
CH: Das ist Franziska Schutzbach. Sie ist Soziologin und forscht an der Uni Basel unter anderem zu Rechtspopulismus und Antifeminismus.
FS: Sie haben quasi mit Antifeminismus angefangen und haben sich dann „nach rechts“ radikalisiert. Und das finde ich einen interessanten Punkt, weil bisher bei der rechten Radikalisierung einfach immer sehr stark der Rassismus im Vordergrund stand, also quasi die Radikalisierung über rassistische Ideologien im Vordergrund stand und jetzt aber zunehmend ForscherInnen eben auch zeigen, Moment mal, wir müssen eben Misogynie, also Frauenhass und Antifeminismus, auch als zentrale Radikalisierungs­ideologie ernst nehmen.
Ja, also viele junge Männer radikalisieren sich tatsächlich über Antifeminismus.

(3:35 Min.)

CH: Franziska Schutzbach sagt, Antifeminismus spielt in der rechtsextremen Ideologie seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle.
FS: Das hat eben mit dem Kern des „völkischen Denkens“ auch zu tun, nämlich damit, dass eben von einer hierarchisierten Gesellschaft ausgegangen wird, das bezieht sich eben sowohl auf die Hierarchien zwischen ethnisch unterschiedlichen Menschen – das also gesagt wird, es gäbe eine „Race“, oder eine Rasse, die eben höher bewertet wird und als für wichtiger genommen wird. Das bezieht sich aber eben auch auf die Geschlechter­hierarchien, dass eben davon ausgegangen wird, dass es eine Art natürlicher Gesellschafts­ordnung gibt, in der eben das Männliche das Starke repräsentiert, das Überlegene, das Dominante, während eben Frauen das schwache Geschlecht repräsentieren, die sozusagen für das Private, für die Weichheit, für die Gefühle, für den Körper, und so weiter, zuständig gemacht werden. Da gibt es auch eine starke bevölkerungs­politische Ideologie natürlich hinter dieser Art von Antifeminismus, oder Frauenhass, sagen wir mal so, wo eben Frauen einfach diese Aufgabe haben, das Volk zu reproduzieren und zwar das „reinrassige“ Volk zu reproduzieren.
Und wenn die Frauen sich dann emanzipieren, wir wollen jetzt auch politisch mitbestimmen, wir wollen auch erwerbstätig sein, wir wollen nicht mehr in dieser Rolle gefangen sein, dann ist das natürlich „eine Bedrohung“ für „bestimmte Konzepte“.

(5:20 Min.)

AH: Die Verschwörungsideologische Annahme dabei ist, dass es eine „von Juden orchestrierte“ Massen­einwanderung gäbe, um dem deutschen Volk den Garaus zu machen.
CH: Das ist Andreas Hechler. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Dissens. Das ist ein Bildungsinstitut in Berlin, das zu „Geschlechter­verhältnissen forscht“ und arbeitet. Andreas Hechler ist die zweite Person, mit der ich für diesen Podcast gesprochen habe.
AH: Und eine weitere daran gekoppelte Verschwörungs­ideologie ist, dass der Feminismus westliche Gesellschaften soweit geschwächt habe, und hier insbesondere die Männer, dass diese nicht mehr wehrhaft seien. Dies steht im Gegensatz zu der Annahme, dass muslimische Männer in dieser Konstruktion noch echte Männer seien und in diesem ganzen Konglomerat werden – in Anführungs­zeichen – wir überrannt vom Islam und können uns perspektivisch nur dagegen wehren, wenn wir wieder mannhaft werden. Westliche emanzipierte Frauen sollen in ihre angeblich natürlich unterwürfige Rolle zurückgeführt werden.
CH: Antifeminismus ist unter „Rechtsextremen“ aber nicht nur wichtig für das eigene Weltbild. Er hat auch eine Brückenfunktion, weil er die extreme Rechte mit anderen, bürgerlichen Gruppen verbindet.
AH: Antifeminismus ist ein ideologischer Schmierstoff, der verschiedene rechte und auch konservative Milieus – die sich in anderen Fragen ansonsten überhaupt nicht grün sind – zusammenbringt. Also das lässt sich besonders gut an den „Demos für alle“ studieren, finde ich.
CH: Die „Demos für alle“ sind ein Aktionsbündnis. Es versucht unter anderem gegen die „Ehe für alle“ oder das – wie sie sagen – Gender Mainstreaming vorzugehen.
AH: Wenn es um die Verteidigung der Zweigeschlechterordnung und heterosexueller Dominanz geht, dann formiert sich da ein sehr breites Bündnis.
CH: Beiden, also Franziska Schutzbach und Andreas Hechler, ist wichtig: die Abwertung von Frauen gibt es in vielen Gesellschafts­bereichen, wenn nicht sogar in fast allen. Besonders ausgeprägt aber in konservativen oder weiter rechts davon stehenden Milieus. Die katholische Kirche, der Adel, Burschenschaften oder auch das Militär seien solche Beispiele. Viele dieser Gruppen verbreiten ihren Antifeminismus auch im Internet.
AH: Das wird in meinen Augen deswegen häufig nicht so wahrgenommen, weil es andere antifeministische und sexistische Online-Communitys gibt, die einfach so krass aggressiv sind, dass sich die Aufmerksamkeit in erster Linie auf sie richtet.
CH: Eine dieser Communitys ist die so genannte Pick-Up-Artist-Community.
(Musik)

(7:55 Min.)

FS: Pick-Up-Artists, das sind ja nun erstmal…, die kommen ja erst mal ganz unpolitisch daher. Das ist eine Szene, die ganz klassisch so eine Beratungsbewegung ist.
CH: Das ist wieder Franziska Schutzbach.
FS: Da geht es nämlich darum, dass Männer lernen sollen, wie sie am besten Frauen sexuell verführen können. Das fing in den Nullerjahren an. Quasi, dass Männer gesagt haben, ja, wir haben hier die besten Sex-Tipps, so kriegt ihr jede Frau ins Bett. Und daraus entwickelten sich dann Ratgeber, mehrere Bücher wurden geschrieben, so genannte Pickup-Gurus haben sich da etabliert. Das war so eine Ratgeber-Bewegung eigentlich.
CH: In ihren Foren tauschen sich Pick-Up-Artists zum Beispiel so aus.

(8:50 Min.)

  • „Ich habe einen Freund“ bedeutet, „ich habe kein Interesse“. Wenn du mit immer der gleichen Vorgehensweise nicht weiterkommst, musst du deine Vorgehensweise ändern. [Es] gibt eine Menge Material dazu hier im Forum.
  • Musst herausfinden, ob sie überhaupt Sex mit dir haben will. Lösung ist, wie so oft, eskalieren. Will sie dich eh nicht dran lassen, wird es ihr auch auf den Sack gehen, wenn du immer mehr körperliche Nähe herstellst.
  • Niemals hinterherlaufen, nie. Akzeptieren, abnicken und zur Nächsten gehen.
FS: Es gibt einige von diesen Pickup-Artists, die sogar Gewalttipps quasi geben. Also wenn Frauen sich ein bisschen wehren, dann soll man nicht…, dann soll man doch trotzdem weitermachen, weil du bist schließlich der Mann, du hast die Hosen an. Setze dich quasi über die Gefühle von Frauen einfach hinweg. Da sieht man eben schon auch so eine ganz starke objektifizierende und frauenverachtende Bilder, die überhaupt von Frauen gemacht werden, nämlich, dass eigentlich die Gefühle von Frauen keine Rolle spielen, sondern es geht eben immer ganz stark zentral um diese Bedürfnisse der Männer in diesen Pick-Up-Artist-Ideologien.
CH: Ursprünglich trafen sich in den Foren der Pick-Up-Artists verunsicherte Männer, die sich mehr Selbstbewusstsein aneignen wollten, um ihren Erfolg bei Frauen zu steigern, zum Beispiel. Aber nach und nach hat sich der Tenor geändert.
FS: Im Zuge dieser Bewegung im Internet…, die hat sich dann eben politisiert und radikalisiert, und hat immer mehr so antifeministische Elemente aufgegriffen.
So mit diesen „klassischen“ Feindbildern, ja, der Feminismus ist „an allem Schuld“, der Feminismus entmännlicht uns Männer, wir können gar nicht mehr die starken, sexuell-potenten Subjekte sein, die wir eigentlich sein wollen und an allem ist natürlich der Feminismus Schuld.
CH: Diese Radikalisierung sieht man auch an der Alt-Right in den USA. Einige ihrer Akteure haben als Pick-Up-Artist angefangen, sagt Franziska Schutzbach.
FS: Wichtig ist da auch zu sagen, dass Antifeminismus eben erstmal nicht so ganz eindeutig rechts daherkommt und gerade auch dann in diesen Pick-Up-Artist-Foren erstmal quasi auch verdeckt ist über diese Frage, von: ja, es geht ja nur um Sex, es geht doch um Verführung, es geht um ein Spiel. Meine These ist eben, dass genau das eigentlich auch das Gefährliche dran ist, beziehungsweise auch das so attraktiv macht, weil es eben nicht politisch daherkommt, sondern erst mal nur so als Spiel. Und erst, man sich dann länger in diesen Foren herumtreibt als Mann, wird man dann eben politisiert, weil es plötzlich klar wird, ah, okay, es geht ja um eine Ideologie, wo es darum geht, Männlichkeit zu stabilisieren oder die Überlegenheit und Übermacht von Männern zu stabilisieren, deren Anrecht sich Sex jederzeit irgendwie nehmen zu können, wenn sie gerade Lust drauf haben und da wird es dann plötzlich sehr politisch. Es geht darum, eine anti-egalitäre Haltung zu vertreten, wonach eben Männer Frauen quasi überlegen sind und sich Frauen einfach nehmen können und von dieser hierarchisch gedachten Geschlechter­konzeption, die Pick-Up-Artists vertreten, ist es dann auch ein kleiner Schritt sich mit anderen hierarchischen Ideologien anzufreunden, nämlich eben die Vorstellung „deutsche“ oder „weiße“ Männer seien anderen Männern überlegen. Da ist quasi der Schritt zur auch rassistischen Radikalisierung dann nicht mehr so weit weg.
(Musik)

(12:37 Min.)

AH: Ich würde sagen, Pick-Up-Artists wollen die Frau aufreißen, Incels hassen die Frauen, wollen sie umbringen und MGTOWs lassen die Frau links liegen und kaufen sich einen Sexroboter.
CH: Das ist wieder Andreas Hechler. Neben den Pick-Up-Artists gibt es noch eine ganze Reihe anderer Gruppen, um die soll es jetzt gehen. Sie alle sind Teil der so genannten „Manosphere“.
AH: „Manosphere“ ist begrifflich eine Zusammensetzung aus den Wörten „man“, also Mann und „atmosphere“, also Atmosphäre und das ist der Ort, wo sich insbesondere Männerrechtler verschiedener Couleur tummeln, also eine virtuelle Parallelgesellschaft, die sich selbst immer weiter befeuert.
CH: Neben den Pick-Up-Artists sind noch drei andere Gruppen in der „Manosphere“ aktiv, sagt Andreas Hechler. Männerrechtler, Migtaus und Incels. Männerrechtler sind eine etwas ältere Bewegung. Sie geht häufig aus dem Väterrechts­aktivismus hervor, also aus Gruppen, die sich rechtlich benachteiligt „fühlen“, beispielsweise in Bezug auf das Sorgerecht.
Migtau schreibt sich M, G, T, O, W und steht für „Men Going Their Own Way“, also Männer, die ihren eigenen Weg gehen. Sie hassen Frauen so sehr, dass sie nichts mit ihnen zu tun haben wollen. Die dritte Gruppe sind so genannte Incels, von denen wir schon am Anfang gehört haben.
AH: Incel steht für „involuntary celibacy“, also „unfreiwillig zölibatär“. Aus Incel-Sicht sind das Menschen, die weder in einer Beziehung sind noch Sex über einen längeren Zeitraum hatten, trotz mehrerer Versuche.
CH: Die Gruppen haben teilweise unterschiedliche Ziele, trotzdem dreht sich die Ideologie der meisten um das gleiche zentrale Bild. Eine Szene aus dem Film Matrix, in der werden dem Helden Neo zwei Pillen angeboten, die Blaue, mit der er gehirngewaschen bleibt und nicht merkt, wie schlimm die Welt um ihn herum ist. Oder die Rote, mit der er die Wahrheit erkennt. Im Fall der „Manosphere“ heißt das, dass Männer mittlerweile angeblich das benachteiligte Geschlecht seien und von Frauen unterdrückt, manipuliert und ausgebeutet werden. Auf YouTube erzählen viele Männer von ihrem „Redpill-Moment“, also dem Moment, in dem sie zum ersten Mal diese angebliche Misere erkannt haben. Beispielsweise der Nutzer Android.
Er beschreibt eine Diskussion, die er online hatte über die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen.

(15:00 Min.)

(Englischer O-Ton: „… every single one of her friends […] but itself.“)
Zitat: Und sofort wurde ich von all ihren Freundinnen bombardiert, die sagten, ich sei misogyn und ein Arschloch, Frauen würden unterdrückt, blablabla. Worauf ich nur geantwortet habe, na ja, es ist seit den 1970er Jahren in diesem Land illegal Menschen unterschiedlich zu bezahlen, woraufhin ich noch mehr Gegenwehr abbekommen habe. Naja, mman kann sagen, die rote Pille kam für mich eher langsam, aber es hat mich trotzdem dazu gebracht, mir die Dinge selbst anzugucken und ich kam der Erkenntnis, das Feminismus wirklich niemandem hilft, außer sich selbst.
CH: Incels, also die unfreiwillig zölibatär lebenden Männer, haben für sich eine weitere Pille erfunden, die Schwarze.
AH: Die schwarze Pille steht symbolisch für die unveränderliche Tragödie, in der sich Incels selber wähnen. In ihrer Selbstsicht sind sie für Frauen unattraktiv und das ist auch festgelegt ein Leben lang, und es gibt da auch keinen Weg raus. Man kann innerhalb dieser Szenen extreme Fixierungen auf Aussehen feststellen und andererseits eine nihilistische Sicht auf die Welt. Es handelt sich um eine Kritik an der Rote-Pille-Ideologie.
Pickup-Artists würden sozusagen sagen: hier, mit unseren Techniken, die du bei uns lernen kannst, wirst du vom Betamann zum Alphamann und kriegst jede Frau ins Bett. Und Incels oder Blackpillers würden halt sagen, also dieser „Move“ ist für uns nicht möglich. Das heißt, Incels verachten auch die Pick-Up-Community.
CH: Sie sind überzeugt, dass ihr an ihrer Situation nichts ändern können und nie jemanden kennenlernen werden. Dadurch haben sie einen noch viel radikaleren Frauenhass entwickelt.
AH: Wir haben es hier mit Menschen zu tun, die in ihrem Selbstbild nichts mehr zu verlieren haben und die Schuldige für ihre Misere suchen und auch ausmachen, und das sind in erster Line Frauen.
Es sind auch Männer, die Erfolg bei Frauen haben. Elliot Rodger, der bekannteste Incel weltweit, hat in seinem Manifest geschrieben, ich zitiere, „für all mein Leid auf dieser Welt sind Menschen verantwortlich, speziell Frauen.“
CH: Elliot Rodger ist der Mann, der in Kalifornien sechs Menschen erschossen hat, weil er noch nie eine Freundin hatte und über den wir am Anfang des den Podcast gesprochen haben.
AH: Incels wollen Rache, sie planen Vergeltung und rufen unter anderem dazu auf, Gewalt gegen Frauen auszuüben. Es gibt extreme Folter-Fantasien, also beispielsweise sowas wie Schwangeren in den Bauch zu boxen oder die Treppen runter zu schmeißen, so dass sie ihr Baby verlieren. Und das Ganze geht auch bis zu Aufrufen zu einem weiblichen Genozid. Also der eben bereits erwähnte Elliot Rodger beispielsweise hat in seinem Manifest so eine Fantasie, wo er Frauen in ein KZ sperrt und dann oben auf einem Turm [sitzend] zuguckt, wie sie verhungern. Ich kann auch so persönlich sagen, Incels und das, was ich gelesen habe, ist das am offensten und gewalttätigsten Misogyne von allem, was ich kenne. Also, Gewalt wird in der Incel-Szene nicht nur geduldet, sondern explizit gefördert und ich finde es wichtig zu verstehen – also auch politisch – das sind hier nicht nur irgendwie ein paar wütende misogyne Spinner im Netz. Es handelt sich hier um eine Art Todeskultur mit einem ganz klaren Feindbild und es geht um Rache.
Und zugleich würde ich sagen, das mit Incels eine neue Qualität in Punkto Organisierung stattfindet. Also, es handelt sich um Terrorismus im Geschlechterfeld. Und einige Incels haben gezeigt, dass sie bereit sind relativ wahllos zu töten.

(18:47 Min.)

M: Toronto 2018: Ein 25-Jähriger überfährt mit einem Lieferwagen gezielt Menschen. Er tötet zehn und verletzt sechzehn. Er hatte seine Tat auf Facebook angekündigt und in dem Post auf Elliot Rodger hingewiesen. Zitat: „Die Incel-Rebellion hat schon begonnen. Heil dem Gentleman Elliot Rodger!“
F: Allerdings: Schon vor Elliot Rodger hat ein Mann aus einer Mischung aus Frauenhass und Rassismus getötet.
M: Utøya 2011. Der Norweger Anders Breivik tötet 77 Menschen, die meisten in einem Zeltlager der sozial­demokratischen Jugendorganisation. In seinem mehr als 1000-seitigen Manifest schreibt er auch über die Schuld der Feministinnen an der angeblichen Einwanderung von Muslimen und der Verweichlichung der norwegischen Männer.
F: Auch er wird in der Community als Held verehrt. Wie ist also die Verbindung zwischen Incels und der extremen Rechten?

(19:43 Min.)

AH: Ich würde auch erst einmal fragen, wieso diese Frage relevant ist. Weil man könnte ja auch sagen, es sei unerheblich, ob die Täter irgendeine Verbindung zur extremen Rechten haben oder nicht. Fakt ist ja, dass sie in hohem Maße anti-emanzipatorisch agieren und das finde ich [ist] auch den Kern. Das ist ist auch Grund genug, gegen sie vorzugehen. Es gibt ja häufig so einen Blick auf die extreme Rechte, der sich an so festen Organisations­strukturen aufhängt und das vernebelt in meinen Augen den Blick für ideologische Gemeinsamkeiten und auch für Täter in…, die kein geschlossen extrem rechtes Weltbild haben.
CH: Trotzdem, sagt Andreas Hechler, natürlich gibt es Verbindung zwischen antifeministischen und rechtsextremen Akteuren – personell, aber auch ideologisch.
AH: Dies zeigt sich nicht zuletzt am US-amerikanischen Forum „The Redpill“, was ein Zusammenschluss von verschiedenen antifeministische Männerrechts­gruppierungen ist, die dezidiert extrem rechtes Gedankengut vertreten. Also gekämpft wird hier gegen die Ausrottung des weißen Mannes, gegen Feminismus und den weißen Genozid in Anführungszeichen. Und es gibt Analysen aus den USA, die verdeutlichen, dass der US-amerikanische Männerrechts­aktivismus ganz entscheidend für Trumps Wahlerfolg war. Und es gibt auch Studien, die zeigen, dass sich Menschen innerhalb dieser Szenen über Image-Boards radikalisiert haben. Also von einem Frust über ein unerfülltes Liebesleben zu den Pickup-Artist, angereichert mit Rassismus hin zu einem geschlossen rechten Weltbild.
Und so wie in den USA spielt auch in der Bundesrepublik die viel zu wenig beachtete Männerrechts­bewegung eine zentrale Rolle dafür, dass die Neue Rechte und die AFD Erfolg haben.

(21:15 Min.)

CH: Die Geschlechterverhältnisse verändert sich gerade noch mal sehr stark. Wenn Frauen jetzt eben ernst machen und wirklich in die Berufe und in die Führungsetagen und so weiter vordringen, dass bei manchen zumindest…, das eben eine Reaktion…, eine aggressive Reaktion, auf diesen emanzipatorischen Wandel ist. Also dieser Zulauf ist zwar irgendwie gefährlich und kann auch zu einem Backlash führen, wenn er nämlich solche Männer auch dann wirklich Macht haben, wie z.B. Donald Trump ist für mich so ein Beispiel, der ja auch ganz stark diese Art von Alphamänn…, „aggressiver“ Alpha-Männlichkeit eben auch repräsentiert und vertritt… Also das richtet natürlich auch ganz viel Schaden an… Und auf der anderen Seite kann man es eben auch als Aufbäumen des angeschossenen Tieres interpretieren, so ob…, man könnte eigentlich auch sagen, das Patriarchat ist eigentlich in seinem angeschossenen Zustand fast noch gefährlicher als wenn es stabil wäre. (Verächtliches Lachen.)
(Musik)

(22:25 Min.)

CH: Die Ansprache von Männern als die eigentlichen Opfer wirkt bei vielen wie eine Einstiegsdroge für rechte Weltbilder, sagt Andreas Hechler. Was können wir also tun gegen den Frauenhass im Netz, und wo finden Betroffene Hilfe?
AH: Zuallererst sollten die Themen ernst genommen werden, also sowohl Sexismus als auch Online-Communitys. Das passiert nach wie vor in meinen Augen nicht. Von Plattformen würde ich ein konsequentes Löschen von Hate Speech erwarten und auch ein Deplatforming, also das meint in dem Fall Sexisten ihre Plattform zu entziehen. Ich finde es wichtig Monitoring zu betreiben, das ist bisher im Online-Bereich zu Geschlecht nicht vorhanden. Ich finde es wichtig, Recherche zu finanzieren. Das passiert beispielsweise im Bereich Antisemitismus mittlerweile recht gut, oder zumindest immer besser in Deutschland, werden… aber im Bereich zu Geschlecht passiert das nicht. Ich finde es auch sinnvoll, zumindest kurzfristig, repressiv zu handeln. Also es handelt sich hier um Terrorismus, was heißt, die einschlägigen Foren und auch Gruppen zu löschen, und das betrifft halt eben auch weiter gefasst bestimmte Gaming-Foren, bestimmte Reddit-Foren. Dazu gehört auch die Erfassung von Straftaten mit „frauenfeindliche“ Hintergrund als Straftat mit „politischen“ Hintergrund. Das ist ja auch nicht der Fall. Ich finde es wichtig, dass alle, die damit irgendwie was zu tun haben könnten, sich mit Social Media beschäftigen. Also so Sätze, das machen andere, dafür bin ich zu alt, dafür habe ich keine Zeit sind in meinen Augen keine legitimen Ausreden. Ich finde es extrem wichtig, den Blick von den Tätern wegzunehmen und sich immer wieder auch den Opfern zuzuwenden und diese zu unterstützen.

(24:18 Min.)

F: Also es gibt ja mittlerweile relativ viel…, also relativ gute Angebote, auch Meldestellen für Hetze im Netz, also zum Beispiel respekt! gibt es oder das no-hate-speech.de, wo eben Frau…, auch wirklich direkte Unterstützung bekommt im Falle von solchen Angriffen, im Falle von Hate Speech, wo man sich melden kann, die auch je nachdem juristische Schritte klären, wenn das möglich ist und richtig erscheint. Ansonsten ist es auf jeden Fall wichtig, dass wir allgemein eine Kultur im Netz entwickeln, die eben Hate Speech nicht toleriert.
Das heißt, es sind alle aufgerufen, die sowas beobachten, sich da auch zu positionieren. Das heißt jetzt eben nicht, dass man mit allen diskutieren muss, aber man kann Haltung zeigen…

(25:19 Min.)

F: Warum ist es nicht sinnvoll, sich auf Diskussionen einzulassen?
F: Da müssen wir auch überlegen, mit welchem gegenüber habe ich es zu tun. Habe ich jetzt mit einem Gegenüber zu tun, der einfach nur provozieren will und mit einem sehr geschlossenen fertigen Weltbild sowieso schon in die Diskussion…, oder ja in die Debatte einsteigt oder habe ich es mit einem Gegenüber zu tun, das vielleicht uninformiert ist, aber durchaus noch offen, um was Neues dazuzulernen… Auch um die eigenen Ressourcen und Energien zu schonen, ist es wichtig, bei Online-Debatten eben abzuwägen, mit welchem Gegenüber habe ich es zu tun und dann auch sehr bewusst zu entscheiden. Okay, da lasse ich jetzt ein auf die Debatte und wenn man diese Entscheidung getroffen hat, gibt es aber auch relativ gute Tipps, wie man sich auf so eine Online-Diskussion einlassen kann. Und ein Tipp ist da z.B. Dass man diese Personen eben an einem Thema festmacht, weil oftmals tendieren die dann so von einem zum anderen zu driften und so ein genanntes Themen-Hopping zu betreiben, also immer immer wieder neue Beispiele und neue Themen anzureißen und um dieses dieses Themen-Hopping in den Griff zu bekommen ist zumeist sehr gut, mal ganz konkret nachzufragen und zu sagen: Okay, wir reden jetzt aber gerade genau über dieses Thema und wenn man es möchtest gerne bei dem Thema bleiben.

(26:40 Min.)

F: Konkrete Maßnahmen für jeden einzelnen und jeder einzelne, genauso wie für die Politik. Andreas Hechler sagt, es brauche aber auch ein ganz grundsätzliches Umdenken, um Frauenhass und Antifeminismus zu begegnen.
AH: Ich finde es zum Einen dringend notwendig, dass sich Männer als Männer kritisch mit dem Geschlechter­verhältnis auseinandersetzen. Darunter fällt sehr viel und ich nenne jetzt nur zwei Aspekte. Das Erste wäre, lernen, sich ins Verhältnis zu anderen Geschlechtern zu setzen. Das heißt, die eigenen Beschädigungen, die einem als Mann im Geschlechter­verhältnis widerfahren, wahrzunehmen, aber eben auch die Privilegierungen anzuerkennen, die man genau durch diese Zurichtung als Mann bekommt.
Ich sage das vor dem Hintergrund, dass viele Männer, die anfangen, sich mit Geschlechter­verhältnis auseinanderzusetzen, mit nur ihre eigenen Beschädigungen sehen und in einem reinen Opferdiskurs landen. Und von da wiederum ist dann der Weg zu einem Männerrechts­aktivismus nur ein sehr kurzer. Und das Zweite ist, lernen sich zu kritisieren und Sexismus unter Männern zum Thema machen. Davon sind wir meines Erachtens noch sehr weit entfernt, aber in die Richtung sollten meiner Ansicht nach Lernprozesse gehen.
Ich habe jetzt nur auf die Männer fokussiert, weil es dort den größten Nachholbedarf gibt. Also der jahrzehntelangen Auseinandersetzung von Feministinnen mit dem Geschlechterverhältnis fehlt in ganz dramatischer Weise das Gegenstück.

(28:05 Min.)

Sie hörten: „Girls, I will destroy you - Frauenhass im Internet“. Ein Podcast von Carina Huppertz im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung aus der Reihe „Rechtsextreme Rückzugsräume“.

Kritik[Bearbeiten]

Begründung der Auswahl[Bearbeiten]

Der vorstehende Beitrag ist ein Prachtexemplar einer Hasspropaganda. Hetze gegen Männer gibt es viel, aber folgendes macht diesen Beitrag besonders:

  1. Das Einrahmen (das so genannte „Framing“) in der ersten Minute ist perfekt. Das ist lehrbuchmäßig wie in „1984“.
  2. Das hit piece befindet sich nicht auf einer abstrusen Seite von Radikalfeministinnen oder Linksextremisten. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist vielmehr eine staatliche Institution, das politisches und geschichtliches Material zur Verfügung stellt, das unter anderen im Schulunterricht verwendet wird.
  3. Franziska Schutzbach ist eine bekannte Feministin, die ihren Männerhass als „Forschung“ tarnt.[1] Solche „Experten“ zum Thema Männer heranzuziehen ist von der Qualität wie wenn man Adolf Hitler als „Experte“ zum Thema Juden befragen würde.
  4. Andreas Hechler ist Mitarbeiter von Dissens e.V..
    • „Dissens“ ist ein geschlechterpolitischer Verein, der die Gesellschaft „gender-gerecht“ umerziehen soll. „Dissens“-Leute werfen einem Jungen schon mal vor, „dass er eine Scheide habe und nur so tue, als sei er ein Junge“.[2] In einer Projektwoche von Dissens e.V., im Sommer 2003, wurden die Ziele so formuliert: „Das Ziel einer nicht-identitären Jungenarbeit ist nicht der andere Junge, sondern gar kein Junge.“[3][4] Unter anderem ging aus dem Verein „Dissens“ später das „Bundesforum Männer“ hervor.[5]
    • Das „Bundesforum Männer“ (BuFoMä) ist ein vom Frauenministerium ausgehaltener Lobbyverband. Die Vereine, die dort Mitglied werden wollen, müssen vorher einen Kotau vor dem Feminismus machen. Sie müssen eine General­unterwerfung unter den Staatsfeminismus unterschreiben. Unter Anleitung des Frauenministeriums dürfen die „Männerbewegten“ dort so tun, als wenn sie Männerinteressen vertreten würden. Feministinnen spielen so der Öffentlichkeit vor, dass beispielsweise in der Familienpolitik auch Männergruppen „gehört“ werden. Es ist aber nur eine staatsfeministische Alibi­veranstaltung.

Die Kette beginnt mit der Bundeszentrale für politische Bildung als ein Staatsmedien, in dem ein Vertreter des Vereins Dissens zu Wort kommt, aus dem das „Bundesforum Männer“ entstand, das seinerseits eine Marionette des Frauenministeriums, womit diese wieder beim Staat endet. „Girls, I will destroy you!“ – Frauenhass im Internet ist somit ein hervorragender Einzelbeleg für den Staatsfeminismus in Deutschland.

Inhaltlich spricht die Hetze gegen Männer für sich. Es ist aber festzuhalten, dass diese Hasspropaganda nicht aus irgendwelchen extremen Randbereichen der Gesellschaft kommt, sondern aus staatlichen Institutionen.

Detallierte Kritik[Bearbeiten]

Fazit[Bearbeiten]

[…]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Mark Smith: Feindbild Mann: Franziska Schutzbach und die männliche Herrschaft], Man Tau am 7. März 2017
  2. René Pfister: Regierung: Der neue Mensch, Der Spiegel am 30. Dezember 2006
  3. Dissens e.V.: Projektwoche RESPECT!
  4. [Original Fußnote 14] Vergleiche hierzu ausführlicher: Krabel, Jens / Schädler, Sebastian: Dekonstruktivistische Theorie und ihre Folgerungen für die Jungenarbeit. In: Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.): Alles Gender? Oder was? Dokumentation einer Fachtagung, Nr. 18, 1. Auflage, Oktober 2001
  5. Arne Hoffmann: Warum der herrschende Feminismus eine reaktionäre Bewegung ist, Genderama am 7. August 2013

Siehe auch[Bearbeiten]