AB-Selbstanalyse

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Wenn Du Deine AB-Problematik angehen willst, ist erstmal wichtig, herauszufinden, wo die aktiven Ursachen liegen. Erst wenn Du weißt, was Dich davon abhält, die Grenze von AB zu Nicht-AB zu überschreiten, kannst Du ursächlich daran arbeiten.

Definition: Aktive Ursache[Bearbeiten]

Es läßt sich am einfachsten an einem Beispiel erklären, was eine aktive Ursache ist. Dazu folgendes Szenario: Du wurdest in der Schulzeit von Deinen Mitschülern über Monate gemobbt. Sie bezeichneten Dich als „dumm, beschränkt und minder­bemittelt“, und jede unzureichende Antwort im Unterricht war für sie Anlass, Dich in der nächsten Pause darauf hinzuweisen, dass dies ein Beweis für Deine Blödheit wäre. Du fingst an, selbst daran zu glauben, wurdest immer unsicherer, machtest noch mehr Fehler. Jahrzehnte später bist Du immer noch geprägt von dem Mobbing und Du weißt das sogar. Du sagst: „Ich bin damals schwer gemobbt worden, deshalb bin ich total unsicher geworden, vor allem in Bezug auf die Beziehungs­anbahnung zu potentiellen Partnern“.

Nun, das ist richtig und falsch zugleich. Es ist richtig, dass das damalige Geschehen der Auslöser für die Unsicherheit ist, aber das ist Jahrzehnte her. Die Mitschüler sind längst in alle Winde zerstreut, keiner behauptet mehr, Du seist dumm. Die eigentliche, aktive Ursache ist ein „Programm“, das nur noch in Deinem Kopf abläuft und zwar seit Jahrzehnten in einer Endlos­schleife. Dir wurde eingeimpft, dass Du dumm bist, und Du fingst selbst an, dies für wahr zu halten. Dieses Programm sagt Dir immer wieder, dass Du ja eigentlich dumm bist. Das ist die Sache, an die Du (in diesem Beispiel) ran mußt. Also:

Weg von alten, oberflächlichen Begründung

Wenn Du anfängst, Dein AB-Sein zu analysieren, dann löse Dich von den alten Begründungen, die Du Dir selbst und anderen sagst. Alte Begründungen können z.B. sein:

  • „Ich wurde als Jugendlicher gemobbt“,
  • „In meinem Elternhaus habe ich keine Zuneigung erfahren“,
  • „Ich bin eben schüchtern“ (garniert mit: „da kann man nichts machen“)

und so weiter.

Schaue, was in Deiner Gegenwart psychisch bei Dir los ist

Es ist eigentlich gar nicht notwendig, lange in frühreren Jahren zu suchen, was mal passiert ist. Wie in dem Beispiel mit dem Mobbing: Die Auslöser sind völlig irrelevant und Vergangenheit. Ob es die Mitschüler waren oder der Chef während der Ausbildung. Oder ob er noch ganz andere Gründe gibt, weshalb sich jemand für dumm hält (es muß ja gar kein Mobbing vorgelegen haben). Entscheidend ist nur der noch laufende Prozess, wie bei einem Computer­programm (da ist der Programmierer, der das Programm mal geschrieben hat, auch irrelevant; wichtig ist nur das Programm und was es aktuell bewirkt).

Wenn Du in die Vergangenheit schaust, dann höchstens deshalb, um eben zu entdecken, was Dich heute antreibt oder blockiert. Forsche also immer nach dem, was dahinter steht und bleibe nicht stehen, weil Dir irgendwas als oberflächliche Begründung reicht.

Menschen neigen dazu, sich mit vordergründigen Beschreibungen zufrieden zu geben, warum irgendetwas so ist, wie es ist. Heraus kommt dann dabei: „ich bin halt schüchtern“ verbunden mit dem fast hörbaren Geräusch eines zuklappenden Buchdeckels. Analyse beendet, Problem noch da.


An einem ausführlichen Beispiel soll gezeigt werden, wie weit man mit einer Analyse gehen kann.

Beispiel: Analyse von Schüchternheit[Bearbeiten]

„Schüchternheit“ ist das Ergebnis von Angst. Schüchternheit ist nicht anderes als „Abstand halten“. Es ist das, was man sieht, aber nicht das, was es ist. Schüchternheit ist der hervorsprießende Pilz eines umfassenden Pilzgewebes im Untergrund (wer sich mit der Biologie auskennt, weiß, worauf ich hinaus will: Was im Volksmund als „Pilz“ bezeichnet wird, ist nur der Fruchtkörper des gesamten, deutlich größeren Pilz-Organismus, der im Boden lebt). Daher ist es auch so unergiebig, wenn jemand sagt: „ich bin einfach nur schüchtern“. Er sagt dann nur: „ich halte Abstand“. Ja, sieht man … und weiter? WARUM hältst Du Abstand? Was macht Dir Angst? Und welches Programm im Kopf treibt die Angst an?

Nun, was ist Angst?

Exkurs: Die Natur der Angst[Bearbeiten]

Angst ist die Projektion von Schmerz in die Zukunft. Man nimmt an, dass in der Zukunft etwas schief laufen könnte und man dadurch physischen oder psychischen Schmerz erleidet. Angst ist immer vor etwas, das in der Zukunft eintreten könnte, was unangenehm/unbequem ist.

Nun ist die Zukunft immer ungewiß. Das Gegenteil von Angst heißt daher Vertrauen. Man muß sich nicht vor der Zukunft fürchten, denn obwohl man niemals wissen kann, was die Zukunft bereithält, kann man ebenso darauf vetrauen, dass schon alles irgendwie gut werden wird.

„Mut“ ist übrigens nicht das Gegenteil von Angst, denn Mut beschreibt allzuhäufig eine Handlung oder Haltung, die trotz der vorhandenen Annahme eines potentiellen Schmerzes oder eines erwartbaren Risikos getan/eingenommen wird. Mut ist aber nicht die Abwesenheit von Angst (und somit nicht das Gegenteil von Angst).

Vertrauen bedeutet: Obwohl die Zukunft ungewiß ist (somit gleichermaßen potentiell „gut“ oder „schlecht“), tendiert man zur Annahme, dass es schon gut laufen wird. Man nimmt nicht so stark an, dass die Zukunft Schmerzen bereithält.

Beides sind Projektionen, vorweggenomme Zukünfte, sowohl Angst als auch Vertrauen.

Mit diesem Wissen graben wir weiter: Warum zeigt denn der Ängstliche kein Vertrauen in die Zukunft?

Schmerz / Unbequemlichkeit kann weiter aufgespalten werden, was oder wer die Zukunft gestaltet. Mögliche, zukünftige Schmerzen/Unbequemlichkeiten können

  • einerseits aus der Umgebung / den Mitgeschöpfen resultieren, auf die man keinen oder wenig Einfluss hat (wenn ein Ziegel vom Dach fällt und einen trifft, dann fällt eben ein Ziegel vom Dach und es tut weh),
  • andererseits auf eigenem Unvermögen beruhen, beinflussbare Dinge nicht richtig zu meistern (ein Date geht schief, weil man keinen Smalltalk beherrscht und dies erzeugt seelischen Schmerz).

Für den ersten Punkt kann man nun wirklich wenig, das Leben ist voller Risiken und es kann immer etwas passieren. Auch lassen sich andere Personen schwerlich steuern. Der zweite Punkt ist umso interessanter, denn aus mangelndem Vertrauen in die stets ungewisse Zukunft wird mangelndes Vertrauen in die eigenen Person bei zukünftigen Aktivitäten.

Wir sind wieder bei einer aktiven Ursache, einem Programm angelangt, das in Endlosschleife läuft. In diesem Fall (Date) einem, das lautet „Ich kann das nicht“.

So wird aus eigenem Mantra über das eigene Unvermögen die Erwartung eines Schmerzes und daraus eine Vermeidungs...haltung, genannt „Schüchternheit“. Der erwartete Schmerz resultiert daraus, bei Eintritt der Situation selbst erneut auf das eigene Unvermögen hingewiesen zu werden UND das andere das Unvermögen bemerken.

Der Begriff des Vertrauens (als Gegenteil der Angst) kann auf dieser Basis erweitert werden: Derjenige, der Vertrauen in die Zukunft hat, geht davon aus, dass schon alles gut werden wird ODER hat vertrauen in sich, schlechte Situationen meistern zu können bzw. diese zu überstehen.

- Exkurs Ende -

Weil „Schüchternheit“ ein weitverbreitetes Problem bei ABs ist, zur Vertiefung ein beispielhafter „innerer“ Dialog, der von einem MAB stammen könnte, der sich weitergehend selbst analysiert:

Ich bin schüchtern gegenüber Frauen.

Warum bist ich schüchtern gegenüber Frauen?

Weil ich Angst habe.

Warum habe ich Angst in Bezug auf Frauen?

Weil ich befürchte, im Kontakt mit ihnen seelisch verletzt werden zu können und dass das weh tut.

Inwiefern sollte ich seelisch verletzbar sein?

Weil es Dinge an mir gibt, die einen Angriffspunkt darstellen.

Wie sehen diese Punkte bei mir aus?

Ich bekomme das mit den körperlichen Dingen und den zwischenmenschlichen Erwartungen, die zu einer Partnerschaft dazugehören, nicht hin.

Warum täte es wohl weh, wenn diese Punkte früher oder später von einer Partnerin aufgedeckt würden?

Weil ich mir in diesen Punkten selbst nicht genüge.

Was heißt „nicht genügen“ genau?

So wie ich bin, bin ich nicht ok, ich habe eklatante Fehler/Defizite.

Anstatt nun beim profanen „ich bin eben schüchtern gegenüber Frauen“ stehen zu bleiben, geht dieser beispielhafte MAB über seine Ängste hin zu seiner aktiven Ursache. Wären wir in der Computerwelt, könnte man sagen, er hat sich von der Benutzer...oberfläche (Schüchternheit) über das Betriebssystem (Angst) zum BIOS (ich bin nicht gut genug) vorgearbeitet.

Er weiß nun genauer, was los ist, wenn er einer Frau gegenübersteht und er es nicht schafft, diesen Kontakt in Richtung Beziehungsanbahnung zu bewegen. Warum die Vermeidungshaltung auftritt, bisher ohne dass er sich dagegen wehren konnte. Ein erster Schritt hin zur tatsächlichen Lösung des Problems, denn nur wenn man weiß, wo der eigentliche Grund für eine Schwierigkeit liegt, kann man gezielt dagegen vorgehen.



Ich hoffe, am Beispiel wurde deutlich, warum es so wichtig ist, sich selbst weitergehend zu analysieren, und zwar bezüglich der aktiven Ursachen und deren Zusammenhänge. Stattdessen verharren viele ABs bei einer statischen Definition über sich selbst und der Nennung der dazugehörigen Auslöser der Vergangenheit.

Verhalten und Nicht-Verhalten resultieren oft aus negativen Emotionen (z.B. Ängsten) heraus, aber solche Gefühle fallen nicht vom Himmel, sondern resultieren aus inneren Glaubenssätzen über sich selbst und andere, die als aktive Ursache ihren Schaden anrichten. Zu irgendeinem Zeitpunkt im Leben wurden Schlüsse gezogen, Bewertungen vorgenommen und daraus ein non-verbaler Glaubenssatz gemacht. Non-verbal deshalb, weil ja nirgendwo im Hirn Sätze wie „ich bin nicht gut genug“, „ich bin dumm“, „ich kann das nicht“ stehen, sondern „nur“ Emotionen tätig werden. Diese Emotionen muß man entlarven, den Glaubenssatz herausfinden, mit dem die Emotion ihre Quelle hat.


Sei ehrlich zu Dir selbst[Bearbeiten]

Als letzter Punkt sei Ehrlichkeit zu sich selbst aufgeführt, wenn man die Analyse antritt. Hinterfrage alles. Beispielsweise, warum es einem vielleicht so wichtig war, an der „höchstindividuellen Ursache“ festzuhalten, mit der man sein AB-Sein bisher immer begründet hat.

Möglicherweise möchte man damit nur sein Ego streicheln und aus der Not eine Tugend machen. „Wenn ich schon AB bin und dieses Gründe hat, dann kann ich diesen Gründen auch noch etwas Positives abgewinnen, das mich besser macht“. Beispiel: „Ich denke immer zuviel nach, handle nie spontan, aber das macht mich gleichzeitig eben auch zu einem gedankenvollen Menschen und das ist gut“. Schmeiß das über Bord. Die AB-Sache muß in keinen Adelsstand erhoben werden. Das ist nur hinderlich, wenn man das AB-sein ablegen möchte.

Ich selbst glaube übrigens nicht an die „unzähligen“ Ursachen, aus der Menschen zu ABs werden. Es gibt viele, viele Auslöser, die dazu beitragen, aber das sind lediglich verschiedene Ausprägungen von wenigen Mechanismen, zu denen diese Auslöser führen.

Autor
Lion
URL
https://lionart.jimdofree.com/ab-selbstanalyse/